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Auszug - Aufwertung von "Eh-da-Flächen" zu Blühflächen im Landkreis Mühldorf a. Inn - Sachstandsbericht  

 
 
öffentl. und nichtöffentl. Sitzung des Kreistages
TOP: Ö 19
Gremium: Kreistag Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Fr, 24.07.2020 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 14:00 - 18:40 Anlass: ordentliche Sitzung
Raum: Stadtsaal Mühldorf a. Inn, Schützenstr. 1, 84453 Mühldorf a.Inn
Ort: Stadtsaal Mühldorf a. Inn, Schützenstr. 1, 84453 Mühldorf a. Inn
 
Sachverhalt
Beschluss

 

Sachverhalt

 

Aufwertung von „Eh-da-Flächen“ zu Blühflächen im Landkreis Mühldorf a. Inn –

Sachstandsbericht

 

Sachvortrag:

 

Fachliche Stellungnahme durch die Untere Naturschutzbehörde und dem Landschaftspflegeverband Mühldorf am Inn e. V. :

 

Ausgangssituation:

 

„Eh-da-Flächen“ sind meist kleinere straßenbegleitende oder nur schwierig zu pflegende Flächen, welche aufgrund ihrer Größe, ihrer Lage oder ihrer sonstigen Beschaffenheit (Neigung, geringe Breite, Unebenheit, Zugänglichkeit, etc.) i. d. R. keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen. Die Flächen werden regelmäßig (z.B. von der Straßenmeisterei des Landkreises Mühldorf a. Inn) gemäht, sodass diese nicht mit Gehölzen zuwachsen und verbrachen.

 

In der Vergangenheit wurden solche Flächen kaum im Sinne des Naturschutzes gepflegt, sondern im Regelfall gemulcht, sodass die Nährstoffe auf der Fläche verblieben sind. Dadurch wird die Fläche gedüngt, das Wachstum von schnellwachsenden und konkurrenzstarken Arten gefördert und die Artenvielfalt (sowohl Pflanzen als auch folglich Tiere) deutlich reduziert.

 

 

Insektenrückgang:

 

Einer Studie von Hallmann Et al (2017) zufolge, ist die Insektenbiomasse der Fluginsekten in den letzten knapp 30 Jahren aus diversen Gründen um gut 75 % zurückgegangen.

Da Insekten eine wichtige Rolle für die Ökologie und den natürlichen Kreislauf spielen (z.B. Bestäubung, Nahrungskette) ist es wichtig, diese Tiergruppen zu stärken.

 

 

 

 

Aufwertungsmöglichkeiten der „Eh-da-Flächen:

 

Die „Eh-da-Flächen“ bieten eine gute Möglichkeit, die Anzahl der Insekten zu erhöhen, aber auch deren Vielfalt zu stärken. „Eh-da-Flächen“ sind überall in der Landschaft verbreitet und können durch ihre Aufwertung wichtige Vernetzungsfunktionen einnehmen. Gerade die „Eh-da-Flächen“ entlang von Straßen, ermöglichen eine lineare Vernetzung von Habitaten, indem diese für die Insekten aufgewertet werden. Hierdurch könnten sich im Optimalfall auch isolierte Vorkommen wieder ausbreiten und ein verstärkter genetischer Austausch zwischen den Insekten stattfinden. In jedem Fall aber, wird der Lebensraum durch eine angemessene Bewirtschaftung/Pflege aufgewertet.

 

Je nach Ausgangszustand der „Eh-da-Flächen“ können diese durch eine aktive Artenanreicherung von Blühpflanzen (Ansaat von autochthonem Saatgut mit einem hohen Kräuteranteil von mind. 50 %, evtl. durch Mähgutübertragung von Spenderflächen) oder durch eine Optimierung der Pflege aufgewertet werden. Insgesamt kann man hierdurch die Blütenvielfalt deutlich steigern und somit auch das Nektar- und Pollenangebot für Insekten verbessern. Da viele Insekten auf wenige einzelne Kräuterpflanzen angewiesen sind (u.a. wichtig für Reproduktion) ist die Blütenvielfalt eine Grundvoraussetzung für den Erhalt bzw. die Stabilisierung der Artenvielfalt der Insekten. Die Förderung der Insekten kommt vielen anderen Tierarten ebenfalls zu Gute, da die Insekten Nahrungsgrundlage sind (z.B. für Vögel, Reptilien und Amphibien). Ebenso werden Lebensräume durch eine Aushagerung der Flächen auch für andere Tiergruppen interessanter, da sich dadurch lichtere und lückigere Bestände entwickeln (z.B. Reptilien, Brutplätze für Wildbienen, etc.).

 

Werden die artenarmen „Eh-da-Flächen“ durch eine Ansaat oder Mähgutübertrag geimpft und die bereits mit einer soliden Ausgangsbasis ausgestatteten „Eh-da-Flächen“ zukünftig durch eine optimierte Pflege aufgewertet, so kann ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet werden.

 

Die Pflege der Flächen sollte zukünftig durch extensive Mahd mit verzögertem Abtransport des Mähguts durchgeführt werden. Optimal wäre die Umsetzung mit tierschonenden Werkzeugen und Maschinen wie Messermähwerke, Motorsense, Rechen, etc.

 

 

Derzeitig bestehende Standorte potentieller „Eh-da-Flächen“ welche zu Blühflächen aufgewertet werden können (erster Schritt):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auflistung der vorhandenen Eh-da-Flächen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kosten für die Herstellung der Blühflächen:

 

Für die Herstellung von Blühflächen auf den vorhandenen „Eh-da Flächen“ mit einer Gesamtfläche von ca. 9.000 m², wobei jedoch nur ca. 4.000 m² Flächen komplett neu angesät werden müssen, entstehen voraussichtliche Herstellungskosten in Höhe

von ca. 5.200 € netto (regionaler Saatguterzeuger Georg Hans, Obertaufkirchen).

 

Die Gesamtherstellungskosten werden wie folgt aufgeschlüsselt:

 

● Saatgut (Blühendes Inntal Blumen-/Kräuterwiese) auf ca. 4.000 m²:

 

(Ansaatstärke 3 g/m²)

ca. 0,90 € / m² x 4.000 m² = 3.600 € netto

 

 

● Flächenvorbereitung (Arbeitskraft, Schlepper, Bodenfräse, Kreiselegge, Profilwalze):

 

ca. 0,30 € / m² x 4.000 m² = 1.200 € netto

 

● Gerätetransport zu den verschiedenen Flächen:

 

ca. 0,10 € / m² x 4.000 m² = 400 € netto

 

 

Auf allen „Eh-da-Flächen“ muss zuvor eine Pflegemahd durchgeführt werden.

Erst dann kann mit der Vorbereitung und späteren Ansaat begonnen werden.

 

● Mähdurchführung und Abtransport für die vorhandenen „Eh-da-Flächen“ mit tierschonenden Werkzeugen wie z.B. Messermähwerken, Rechen, etc.:

 

ca. 0,50 € / m² x 9.000 m² = 4.500 € netto

 

Gesamtkosten für die erstmalige Herstellung zu Blühflächen:

ca. 9.700,00 € netto, zzgl. gesetzl. MwSt.

 

 

Mögliche Förderung:

 

Eine Förderung zur Anlage von Artenreichen Blühwiesen ist über die Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie (LNPR) möglich:

„2.2.1 Maßnahmen zur Erhaltung, Pflege, Entwicklung und Neuschaffung von ökologisch wertvollen Lebensräumen sowie spezielle Artenschutzmaßnahmen für im Bestand gefährdete heimische Tier- und Pflanzenarten, insbesondere:

(…) - Neuschaffung von ökologisch wertvollen Strukturen für Insekten und andere Artengruppen, sowohl in der freien Landschaft als auch im Siedlungsbereich, (…)

Bis vor einem Jahr waren nur Flächen die außerhalb von Ortschaften angelegt wurden förderfähig, mittlerweile können auch Flächen die innerhalb von Ortschaften angelegt werden gefördert werden

 

Der Fördersatz liegt bei ca. 70% der Gesamtkosten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jährliche Pflege- und Unterhaltungskosten der Blühflächen:

 

● Gesamtfläche 9.000 m²

 

bei einem Mähdurchgang pro Jahr:

ca. 0,50 € / m² x 9.000 m² = 4.500 € netto

(Vergleich: ein Mulchdurchgang kostet 0,20 €/m² netto)

 

bei zwei Mähdurchgängen pro Jahr:

4.500 € x 2 = 9.000 € netto

 

Entsorgungskosten pro Jahr für das Mähgut

(falls über Landwirte oder Biogasanlagenbetreiber keine Abnahme stattfinden kann)

ca. 3000 € netto

 

Jährliche Gesamtkosten für Pflege und Unterhaltung der Blühflächen:

ca. 12.000 € netto, zzgl. gesetzl. MwSt.

 

Zum Vergleich liegen die jährlichen Mulchkosten bei 3.600 €.

 

Vorschau für weitere Blühflächen:

 

Insgesamt besitzt der Landkreis Mühldorf a. Inn 53 Kreisstraßen mit einer Gesamtlänge

von ca. 300 km.

Zum gesamten Kreisstraßennetz gehören ca. 320.000 m² Straßenbegleitgrün in Form von Böschungen.

Aufgrund der Verkehrssicherheit und baulichen Randbedingungen (z.B. wegen Einhaltung der vorgeschriebenen Sichtdreiecke bei Einmündungen, vorhandene Entwässerungsanlagen, Streusalzeinwirkung, Böschungssicherungen, etc.) können von den genannten Böschungen selbstverständlich nicht alle 320.000 m² in Blühflächen umgewandelt werden.

Außerdem sind Nordhänge sowie Böschungen mit mehr Düngemitteleintritt nur bedingt geeignet, um Blühflächen entstehen zu lassen.

 

Langfristig gesehen könnte man ca. 50.000 bis 60.000 m² des Straßenbegleitgrüns entlang des Kreisstraßennetzes zu Blühflächen umwandeln.

Diese Flächen werden mit der uNB und dem Landschaftspflegeverband Mühldorf am Inn e. V. noch abgestimmt, festgelegt und aufgewertet.

 


Beschluss

 

Die erforderlichen Maßnahmen zur Aufwertung von „Eh-da-Flächen“ zu Blühflächen im Landkreis Mühldorf a. Inn werden, so wie im Sachvortrag beschrieben, umgesetzt.

Als ersten Schritt wird die Verwaltung beauftragt insgesamt 9000m² Blühflächen anzulegen und zu pflegen. Die hierfür notwendigen Mittel für Herstellung und Unterhalt sind im Haushalt 2021 des Landkreises Mühldorf a. Inn einzuplanen.

Zudem wird die Verwaltung beauftragt in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sukzessive jährlich weitere „Eh-da-Flächen“ in ähnlicher Größenordnung als Blühflächen anzulegen.

 

Abstimmungsergebnis

 

Anwesend:

57

Für:

57

Gegen:

0